Gibt es bald eine einheitliche europäische Energiewende?

Momentan ist die europäische Energiewende wie ein Flickenteppich gestaltet. Jeder Mitgliedstaat hat andere Förderbedingungen und auch die politischen Rahmenbedingungen unterscheiden sich teils erheblich.

Mit dem Ausrufen seines Top-Ziels hat EU-Präsident Jean-Claude Juncker nun allerdings die Hoffnungen für eine einheitliche europäische Energiewende geweckt. Ziel der Europäischen Union ist vor allem die Wettbewerbsstärkung im Bereich der erneuerbaren Energien, sodass insbesondere die effizientesten Anlagen eine Förderung erhalten.

Deutschlands Energiewende als europäisches Vorbild?

Geht es nach den Fördermodellen, die in den europäischen Staaten vorherrschen, so lässt sich festhalten, dass Quotenregelungen wie in den skandinavischen Ländern auf dem Rückzug sind. Viele Staaten bevorzugen sogenannte Förderregelungen, die dem Vorbild des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes entsprechen.

Eon-Manager Mike Winkel meint dazu beispielsweise, die Chancen stehen gut „dass die deutsche Energiewende doch noch zu einer europäischen Energiewende wird“. Momentan sieht es allerdings noch anders aus, dass weiß auch Winkel: „Jedes Land hat eine eigene Lösung für die Energiewende gefunden“, sagte der Manager gegenüber dem Handelsblatt. Auf EU-Ebene will Juncker durchsetzen, dass Ausschreibungsmodelle für Wind- und Solarstrom zur Regel werden.

Damit würden die Unternehmen profitieren, die den günstigsten Strom produzieren. Damit hätten fixe Einspeisevergütungen ausgedient. Auch hier lässt sich erkennen, dass sich an Deutschlands Energiewende orientiert wird, da auch die Bundesrepublik für das EEG entsprechende Regelungen ab 2017 vorsieht. „Die Frage ist, ob wir das ohne die EU auch schon ab 2017 gemacht hätten“, meinte dagegen Patrick Graichen, Direktor des Think-Tanks Agora Energiewende, der die Initiative zu den Ausschreibemodellen eher auf EU-Ebene sieht.

„Jetzt muss es darum gehen, das ordentlich zu regeln, so dass die Mengenziele für den Ausbau der Erneuerbaren erreicht werden und zugleich die Akteursvielfalt erhalten bleibt.“, so Graichen weiter. Kritiker meinen, dass die Ausschreibungsmodelle grundsätzlich die großen Anbieter bevorzugen und sehen die Gefahr, dass die Akteursvielfalt gerade deswegen gefährdet wird. Ob und wie die Vision Junckers umgesetzt wird, wird die kommende Legislaturperiode zeigen.