Europas Energiepolitik – Wie einig ist man sich?

Im Zuge der Griechenlandkrise tut sich Europa aktuell schwer mit der eigenen Identität. Fragen nach den Grenzen der Solidarität und Rufe nach mehr Nationalstaatlichkeit werden vor allem von Seiten rechter Organisationen immer lauter. Übersteht Europa diese Krise sollte allerdings für jeden feststehen, dass die europäische Gemeinschaft kein Wunschtraum ist sondern bereits existent und stabil.

Auch wenn es um eine gemeinschaftliche Energiepolitik geht ist diese Stabilität gefragt, denn eines ist weitgehend sicher, ohne die Nachbarstaaten wird kaum ein Land eine erneuerbare Energiewirtschaft versorgungssicher gewährleisten können. Eine gemeinsame europäische Energiepolitik sollte zumindest bei den grenzüberschreitenden Themen gefunden werden. Im Rahmen der inländischen Energiepolitik sollten die Staaten allerdings nicht aus Brüssel bevormundet werden. Wo liegt der gesunde Mittelweg oder gibt es bereits eine gemeinsame Strategie?

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Das Ziel steht

Ein gemeinsames Ziel hat sich die Europäische Union (EU) bereits gesetzt. So möchte man europaweit 27 Prozent des Energiebedarfs im Jahr 2030 aus erneuerbaren Energien beziehen. Bisher sieht es gut aus. Laut Informationen der englischen Zeitung „The Guardian“ könnten es sogar rund 50 Prozent, zumindest im Strombereich, werden. Quelle dafür sei, laut Guardian, der Entwurf eines Papiers der Europäischen Kommission, welches eigentlich noch unter Verschluss steht.

Darin heißt es unter anderem: „Reaching the European Union 2030 energy and climate objectives means the share of renewables is likely to reach 50% of installed electricity capacity,” übersetzt bedeutet dies, dass ein Anteil von 50 Prozent erneuerbarer Energie an der installierten elektrischen Kapazität bis 2030 erreicht werden sollte um die europäischen Energie- und Klimaziele zu erreichen.

Alle Staaten sind gefordert

Die 2030er Zielsetzungen hat der europäische Rat erst kürzlich und zwar im Oktober 2014 im Rahmen des Europäischen Klima- und Energierahmens 2030 beschlossen. Darin enthalten sind auch die bekannten „20-20-20-Ziele“, also die Treibhausgasemissionsminderung von mindestens 20 Prozent in 2020 zu 1990, die Erhöhung der Energieeffizienz um mindestens 20 Prozent in 2020 zu 1990 und einen Anteil von mindestens 20 Prozent erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch in 2020.

Mit dem neuen Energierahmen wurden diese Ziele nunmehr noch einmal aktualisiert und angepasst. Bis 2030 sollen 40 Prozent Treibhausgasemissionen zu 1990 eingespart werden und der Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch bereits erwähnte 27 Prozent betragen. Auch die Energieeffizienz soll sich um mindestens 27 Prozent erhöhen. Dabei sollen alle Mitgliedsstaaten ihre nationale Energiepolitik danach ausrichten, sodass jedes Land, entsprechend seiner Leistungsfähigkeit, einen Anteil zu Erreichung dieser Ziele trägt.

Insbesondere Stromnetze sollen überholt werden

Schon heute wird rund 25 Prozent des europäischen Stromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt. Insbesondere die skandinavischen Länder steuern viel zu dieser Zahl bei. Betrachtet man den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Primärenergieverbrauch so sind Norwegen, Schweden, Island und Finnland mit einem durchschnittlichen Anteil von 50 Prozent am weitesten.

Insbesondere Wasser- und Windkraft wird dort sehr stark genutzt, Wasserkraft spielt traditionell eine wichtige Rolle für die nordischen Staaten. In Mitteleuropa ist Österreich beim Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch bislang am weitesten, gefolgt von der Schweiz und Dänemark. Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal, Tschechien und Polen folgen anschließend. Schlusslichter sind das Vereinigte Königreich, die Benelux Staaten und der Balkan.  Um die verschiedenen Anteile künftig auch europaweit besser verteilen zu können will die EU die Stromnetze europaweit komplett überholen.

Einige Staaten könnten die eigenen Ziele verfehlen

Doch auch wenn die europäische Energiewende in ihrer Gesamtheit recht gut dasteht gibt es einige Staaten die ihre eigenen Ausbauziele nicht erreichen könnten. „Even with a binding provision, we are seeing the Netherlands, U.K. and France potentially missing their 2020 target“, meint beispielsweise Oliver Joy von der European Wind Energy Association in einem Interview mit dem britischen Guardian. Im Großen und Ganzen setzt man in Europa allerdings auf erneuerbare Energien. Insbesondere die grenzüberschreitende Gewährleistung der Netzstabilität wird künftig immer wichtiger werden.

Ob es langfristig einen europäischen Kapazitätsmarkt geben wird oder man andere Wege zur Abdeckung der Fluktuationen erneuerbarer Energien finden wird sich zeigen. Eines ist sicher, um das weltweite Problem des Klimawandels und der Rohstoffknappheit zu lösen sind gemeinsame Lösungen notwendig. Es bringt kaum etwas, wenn einige Staaten vorbildhaft agieren und andere nichts ändern. Jeder muss mitziehen. Europa sollte hier vorbildhaft vorangehen. Nur so lassen sich auch weniger entwickelte Regionen der Welt dazu animieren die weltweite Energiewende mit zu gestalten und gemeinsam umzusetzen.

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